Thomas Kellner: Dancing Walls 2003 - 2006, with an introduction by Alison Nordstrom, 88 pages, hardcover, 38 colorplates, 20x20cm, published by Art Galerie Siegen, John Cleary Gallery Houston, K4 galerie Werner Deller, Saarbruecken, Schneider Gallery, Chicago, Galerie Maurer, Munich, in focus Galerie, Burkhard Arnold, Cologne, Siegen, 2007, 29 Euros, plus shipping.
special edition Dancing Walls sold out
This illustrated book from 2007 contains works by photo-artist Thomas Kellner where he concentrates on building’s interiors instead of facades. Kellner traveled to China, Mexico, Italy, UK and to the US, to capture interiors of for example museums and libraries in fragments. Each object’s individual architectural style and vibrant colors define the constitution of the images which were produced between 2003 and 2006. Among the objects you find diverse examples as the MCA in Chicago or the Hotel Mexico in Mexico City. The German and English introduction to Kellner’s work is given by Alison Nordström, curator of photography at the George Eastman House, International Museum of Photography and Film in Rochester, USA.
„Kellner’s recent shift of subject from iconic architectural monuments to the quieter differently purposed spaces of museums, libraries, and palaces that have become concert venues has significant metaphorical implications though its irony remains. His early, somewhat distant images of monuments such as the Eiffel Tower, the White House, and the Brandenburg gate often seemed intended to portray symbolic sites of power as they crumbled or exploded, manifesting Yeats’s apocalyptic vision that “Things fall apart. The center will not hold. Mere anarchy is loosed upon the world.” Although still strikingly self-reflexive in terms of the photographic process, the new work, focusing on interiors and sites of cultural production, evokes a somewhat different feeling than the overtones of shattering destruction that characterized his treatment of iconic buildings and monuments. This gentler, more delicate work, suggests a harmonious and organic rhythm, which Kellner himself refers to as a “vibration” or a “dancing glance” that delineates a built space like a living, breathing being, and suggests, perhaps, the quiet human use it has been put to.”
Dieser Bildband von 2007 umfasst Arbeiten des Foto-Künstlers Thomas Kellner, die statt Fassaden nun Innenräume verschiedener Gebäude zeigen. Dabei reiste Kellner nach China, Mexiko, Italien, Groß-Britannien und den USA, um die Innenansichten von beispielsweise Museen und Bibliotheken mit seiner fragmentarischen Methode zu fotografieren. Der individuelle architektonische Stil und die Farbigkeit des jeweiligen Objektes prägen hier das Gesamterscheinungsbild der von 2003-2006 entstandenen Fotografien. Zu sehen sind unter anderem so unterschiedliche Objekte wie das Museum of Contemporary Art in Chicago oder das Hotel Mexico in Mexico City. Die Einleitung in deutscher und englischer Sprache verfasste Alison Nordström, die in Rochester (USA) als Kuratorin für Fotografie am George Eastman House, International Museum of Photography and Film tätig ist.
„Kellners gegenwärtige Hinwendung weg von ikonischen Architekturdenkmälern zu ruhigeren, verschiedenartig zweckgebundenen Räumen von Museen, Büchereien und Palästen, die Konzertveranstaltungsräume geworden sind, birgt signifikante metaphorische Implikationen, obwohl die Ironie bestehen bleibt. Seine frühen, ein wenig distanzierten Abbildungen von Monumenten wie der Eifelturm, das Weiße Haus und das Brandenburger Tor scheinen oftmals die Intention zu verfolgen, symbolische Stätten der Macht zu porträtieren, die auseinanderbrechen oder explodieren; sie sind Manifestationen der apokalyptischen Vision von Yeats „Things fall apart. The center will not hold. Mere anarchy is loosed upon the world”. Obwohl noch immer verblüffend selbstreflexiv hinsichtlich des fotografischen Prozesses, evozieren die neuen, sich auf Innenräume und Plätze kultureller Produktion konzentrierenden Arbeiten ein andersartiges Gefühl, als jenes, was durch die Obertöne schmetternder Zerstörung entstand, das seine Behandlung der ikonischen Gebäude und Monumente charakterisierte. Diese sanfteren und delikateren Arbeiten deuten einen harmonischen und organischen Rhythmus an, den Kellner selbst als „Vibration“ oder „tanzender Blick“ beschreibt. Dieser Rhythmus skizziert einen gebauten Raum ähnlich einem lebenden Wesen und suggeriert vielleicht die menschlichen Absichten, die ihm innewohnen.“
Book review: Dancing Walls in: amateur photographer 18 October 2008
If you love taking photographs of famous locations but are looking for something new, then Thomas Kellner could inspire you to shoot your top hotspots with a difference. Beware, though, as this photo adventure will cost a fortune in film – unless you do a digital cheat. Thomas is creating contemporary visions with style and class. As Alison Nordström says in the introduction, ‘ Kellner chose to make an image that could not for a moment be equated with the real thing, by moving his camera in a succession of shots that he collectively combined to constitute both reference and an interpretation’. Kellner has captured every part of a scene like an eye darting from one area to the next. Often more than 100 images have contributed to the final print. (amateur photographer 18 October 2008, page 45)
Tanzende Wände in: PHOTOGRAPHIE, 11-2008
Nach dem 11. September 2001 stand Thomas Kellners künstlerische Zukunft in den USA in den Sternen. Kein Wunder, denn seine bekanntesten Fotos zeigen amerikanische Wolkenkratzer in Einzelteile zerlegt. Den abstrakten Bildmosaiken wurde aber nach 9/11 große Aufmerksamkeit zuteil. Und es blieb hochspannend, Kellners erfolgreiche Entwicklung zu beobachten: ein neuer, leider recht kleinformatiger Band stellt unbekanntere Interior-Motive des deutschen Fotografen vor. (PHOTOGRAPHIE, 11-2008, Seite 66)
Siegener Zeitung 2008-01-21 (German)
Siegener Fotograf Thomas Kellner legt neues Buch vor
gmz Siegen. Poetisch sind diese neuen Arbeiten von Thomas Kellner, dem in Siegen arbeitenden, international tätigen Fotokünstler. Poetisch, sehr konzentriert, ruhiger als manche seiner früheren Arbeiten wirken diese »tanzenden Wände«: »Dancing Walls« heißt das neue Projekt, das jetzt in Buchform vorliegt (gedruckt im Haus Vorländer), der Entwurf stammt vom Künstler in Zusammenarbeit mit inspirit – graphicbureau (Thorsten Junge und Marc Babenschneider). Eindrucksvoll leuchten die, wie man unschwer erkennen kann, ursprünglich großformatigen Bilder von dem schwarzen Papier, laden zum visuellen Gang durch die Bildwelt ein, die Thomas Kellner da entfaltet hat.
Thomas Kellner scheint sich, so der Eindruck, der beim Blättern des sehr gelungenen und ansprechend gestalteten Kataloges entsteht, auf den Weg »nach innen« zu machen. Das spiegelt sich auch in der Motivauswahl wider, denn er zeigt Innenhöfe (wie den neuen Innenhof des British Museum in London, der Anstoß zur Innenraumserie gab), Innenräume, Treppen, Säle und Bibliotheken. Auch eine Turbinenfabrik aus Deyang ist dabei. Die Dekonstruktion scheint thematischer begründet als bislang, als formale Aspekte stärker im Vordergrund standen. Hier, in diesen Arbeiten, versetzt er beispielsweise »nur« die Treppe in große Schwingung, nicht den gesamten Raum, so dass dem Betrachter die architektonische Orientierung weitestgehend bleibt, er aber erlebt, welche visuelle Energie in der Architektur steckt! Er entdeckt, wie die Stufen tanzen, wie die Wände die Bewegung der Schritte aufnehmen (z.B. im Palazzo Doria Tursi in Genua), wie das Dach sich dem Betrachter »entgegenneigt« (Hearst Tower New York). Der Betrachter erlebt aber auch, wie die tanzenden Bilder seinen Blick auf das Zentrum der architektonischen Aussage lenken, z.B. in der Kathedrale, in der sein Blick unwillkürlich von dem konzentrierten Licht angezogen wird, das Thomas Kellner fotografisch verdichtet hat. Man schaut nach oben – eine fast theologische Aussage der Architektur, die Kellners »Fokussierung« bewusst macht.
Die Ironie, wie es Alison Nordström (Kuratorin des George Eastman House, International Museum of Photography and Film in Rochester, New York) in ihrer Einführung nennt, die Distanz zum monumentalen Objekt, das mit seiner Größe beeindrucken will und muss (Macht funktioniert eben nicht ohne Darstellung), bleibt allerdings erhalten, allein durch die Auflösung der scheinbar so festen Strukturen durch das Bild. Sie wird nur in den neuen Arbeiten durch eine sich aus den Strukturen selbst ergebende, also inhärente Infragestellung »verfeinert«. Sehenswert! Vom 25. Januar an sind die Arbeiten in der Siegener Art Galerie zu sehen, anschließend touren die Bilder nach Houston, Saarbrücken, München, Chicago und Köln.

